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Die Anna-Göldi-Stiftung zeichnet mit ihrem Menschenrechtspreis Menschen aus, welche entweder Opfer von Unrecht und Willkür wurden oder die sich für Menschenrechte und gegen Justiz- und Behördenwillkür einsetzen.

Mariella Mehr
Mariella Mehr

Mariella Mehr verkörpert beides: Die 1947 als Tochter von Fahrenden geborene Mehr wurde ihren Eltern vom Pro Juventute -„Hilfswerk für Kinder der Landstrasse“ weggenommen. Sie musste danach eine richtiggehende Odyssee in Heimen, Erziehungs-, Strafanstalten und Kliniken über sich ergehen lassen.

Ein Zeichen gegen das Vergessen

Doch Mehr stemmte sich gegen ihr Schicksal. Sie verwandelte ihre Demütigungen und Verletzungen in ein beispielloses Engagement für Minderheiten (namentlich für die Jenischen), sei dies als kämpfende Politaktivistin oder als Literatin. Wiederholt erhob sie ihre starke Stimme mit ungeheurer bis ungeheuerlicher Wortgewaltigkeit gegen das damalige Unrecht sowie gegen die Misshandlung von Frauen und Kindern in heutiger Zeit. Diesen Kampf um Gerechtigkeit anerkennt die Anna-Göldi-Stiftung mit ihrer Preisvergabe. Die Anna-Göldi-Stiftung setzt damit auch ein Zeichen gegen das Vergessen: Sie soll an all jene Kinder erinnern, die ihren Eltern weggenommen wurden und in Heimen oder als Verdingkinder oft ein hartes Schicksal erfahren mussten und die heute noch darunter leiden.

Die Preisverleihung findet am Samstag 16. Juni 2018 um 10 Uhr im Anna Göldi Museum in Glarus/Ennenda statt. Der öffentliche Anlass steht in Verbindung mit dem Andenken an Anna Göldi, die als "letzte Hexe" am 13. Juni 1782 in Glarus hingerichtet wurde.

Bisherige Träger des Anna-Göldi-Menschenrechtspreises:

  • 2009: Prof. Luzius Wildhaber, langjähriger Präsident des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Strassburg
  • 2011: Amira Hafner, Religionswissenschaftlerin
  • 2015: Turi Honegger (Verdingkind, Journalist), Ursula Müller-Biondi (administrativ versorgt, Menschenrechtsaktivistin)

Erfreuliche Nachricht für das Anna Göldi Museum:

Die Anna-Göldi-Stiftung erhält eine grosszügige Zuwendung, um ihr Museum im Hänggiturm in Glarus/Ennenda so auszubauen, dass es ganzjährig besucht werden kann.

Ermöglicht wird die Umstellung auf den künftigen Ganzjahresbetrieb dank dem Engagement einer als Kulturmäzen bekannten Persönlichkeit. Diese ist mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut und hat eine enge Beziehung zur glarnerischen Kultur und zum historisch bedeutenden Hänggiturm. Der zugesprochene Betrag ist an die Realisierung des Erweiterungsprojekts gebunden, mit dem die sinnvolle und sorgsame Nutzung des Hänggiturms auch langfristig sichergestellt werden soll.

Ziel ist es, den Ausbau bis im Jahr 2019 zu realisieren. Konkret sind die Isolation der Fassade und des Daches sowie die Beheizung des Hänggiturms geplant. Zudem wird der Einbau einer museumseigenen Bibliothek evaluiert. Das Projekt ist an bestimmte Vorgaben geknüpft und hat sowohl in denkmalpflegerischer als auch in ästhetischer und gestalterischer Hinsicht hohen Ansprüchen zu genügen. Deshalb soll es auch entsprechend fachmännisch und professionell begleitet werden.

Die Neuerung bedeutet eine erhebliche substanzielle Aufwertung nicht nur des Museums, sondern auch des Hänggiturms, dessen Nutzung während vieler Jahre ungewiss war. Mit dem Einzug des Anna-Göldi-Museums hat sich das im vergangenen Jahr geändert. Das Museum im Kantonshauptort entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem vielbeachteten kulturellen Begegnungsort mit nationaler Ausstrahlung. Die Anna Göldi Stiftung ist überzeugt, dass der Ganzjahresbetrieb sowohl im Interesse der Standortgemeinde wie auch des Kantons Glarus liegt und eine bedeutende Stärkung des kulturellen und touristischen Angebots darstellt.

Die neue Anna-Göldi-Ausstellung im Hänggiturm Glarus/Ennenda stösst auf reges Interesse. Die Verantwortlichen haben bereits die Hälfte der nötigen Mittel mit zugesicherten Beiträgen namhafter nationaler und lokaler Sponsoren beschafft.

Die Öffentlichkeit erfährt 2016 alles über den Projektfortschritt. Der Anna-Göldi-Stiftungsrat hat das Detailprojekt der raumprodukt gmbh für das neue Museum im Hänggiturm Glarus/Ennenda gutgeheissen und den Zwischenbericht des Fachgremiums unter der Leitung des Glarner Kulturchefs Fritz Rigendinger zu den historischen und juristischen Inhalten der Ausstellung genehmigt. Auf finanzieller Ebene hat das Team rund um Projektleiter und Vize-Präsident Peter Bertschinger innert der ersten fünf Monate bereits die Hälfte aller nötigen Mittel beschafft. Wichtige Sponsoren wie die national renommierte Ernst Göhner Stiftung oder die bedeutende Glarner Firma Service 7000 setzen sich mit namhaften Beiträgen für das neue Anna-Göldi-Museum ein. Somit konnte die Detailplanung für die neue Ausstellung ausgelöst werden. Sofern die Finanzierung für die zweite Tranche ebenso erfolgreich verläuft, kann im Sommer 2016 mit der Installation im Hänggiturm begonnen werden. Weitere Gesuche sind bereits eingereicht und in Bearbeitung.

Öffentliche Projektvorstellung

Das zeitintensive und anspruchsvolle Museumsprojekt haben der Anna-Göldi-Stiftungsrat und die raumprodukt GmbH für die Realisierungsphase seriös geplant. Als Termin für die Eröffnung der neuen Ausstellung kristallisiert sich der Anna-Göldi-Gedenktag vom 13. Juni 2017 heraus. Die Öffentlichkeit informieren die Verantwortlichen bereits im Juni 2016 detailliert über den Projektfortschritt im Hänggiturm Glarus/Ennenda. Mit seinem realistischen Zeitplan stellt der Stiftungsrat die inhaltliche und gestalterische Qualität sicher und ermöglicht eine gründliche Auseinandersetzung, die für eine hochwertige Ausstellung von grösster Bedeutung ist.

Anna-Göldi-Führungen in Glarus

Führungen und Vorträge zum Thema Anna Göldi erfreuen sich hoher Beliebtheit. Ausgangspunkt der Führungen ist das Gerichtshaus in Glarus, unweit des Ortes, wo Anna Göldi 1782 gefoltert und zum Tode verurteilt wurde. Seit 2014 erinnern hier ein schlichtes Licht und eine Tafel an das Schicksal der Magd, die als «letzte Hexe» bekannt wurde. Heute gilt Anna Göldi als nationale Symbolfigur für Opfer behördlicher Willkür. Auch kulturaktivGLARUS bietet mit grossem Erfolg Stadtführungen in der kleinsten Hauptstadt der Schweiz an.

Ehrenmitgliedschaft für Elisabeth Kopp

Die Anna Göldi-Stiftung verlieh an ihrer letzten Sitzung alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp die Ehrenmitgliedschaft. Sie gehört der Stiftung seit dem Gründungsjahr 2007 an und hat sich immer wieder für ein starkes Engagement im Bereich Menschenrechte und Rechtsstaat ausgesprochen. Die heute 79-Jährige wurde 1984 als erste Frau in den Bundesrat gewählt. 1988 beendete ein politischer Skandal ihre Amtszeit vorzeitig. Trotz Freispruch wurde Elisabeth Kopp gesellschaftlich und politisch erst zehn Jahre nach ihrem Rücktritt rehabilitiert.

 

Bild: Coralie Wenger, Photograph, Winterthur

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