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Inzwischen waren die staatsrechtlichen Schwierigkeiten des Gerichtsstandes behoben worden. Der Göldiprozess wurde – mit Zustimmung der Katholischen, die sich von dem unklaren Handel klugerweise distanzierten – dem evangelischen Rat zugeteilt und die Gerichtsprozedur konnte somit ihren Anfang nehmen. Am 21. März 1782, genau vier Wochen nach ihrer Verhaftung, wurde Anna Göldi zum ersten Male einvernommen.

Dieses erste Verhör dauerte vier Stunden bis zur völligen Erschöpfung Annas. Aus dieser und den folgenden Einvernahmen ergibt sich der Eindruck, dass ihre seelische Widerstandskraft schon zu diesem Zeitpunkt gebrochen war. Die schwere Kettenhaft, der Zwang, der während der Heilungsprozedur auf sie ausgeübt wurde, hatten sie körperlich und geistig arg mitgenommen. Und nun stand sie, die unwissende, nicht einmal des Lesens und Schreibens kundige Magd, plötzlich vor einer Schar hochgelehrter Männer, denen ihre Schuld bereits als fest erwiesen galt. Ausserdem war ihr das ganze Geschehen auch selber ein Rätsel. Sie konnte sich das Gufenspeien der kleinen Annemiggeli so wenig erklären wie die sofortige Heilung, welche sie zu ihrer eigenen Überraschung bewirkt hatte. Was sollte sie somit den mächtigen Herren, die nun vor ihr sassen, entgegenhalten? Sie sah sich von Unbegreiflichkeiten umgeben, zu deren Aufklärung ihr dumpfes Hirn nicht ausreichte. Die sichere Überzeugung der Ratsherren und aller sonstigen Sachverständigen, dass sie eine grosse Verbrecherin sei, war wie eine feste Mauer, der sie ohnmächtig gegenüberstand. So trat sie, körperlich geschwächt, erfüllt von furchtbarer Angst und dem Bewusstsein ihrer Hilflosigkeit, vor ihre Richter.

Anna wurde zuerst über die Nadeln befragt, die seinerzeit in der Milch der Annemiggeli gefunden worden waren. Sie erklärte, sie wisse nicht, wie diese Nadeln in die Milch gekommen seien. Diese Antwort genügte nicht. Man drang so lange in Anna, bis sie schliesslich zugab, der böse Geist habe es getan. Hierüber des Langen und Breiten befragt, erklärte sie endlich: „Nun, in Gottes Namen, ich habe die Gufen in die Milch getan.“ Als Motiv gab sie an, sie habe sich dafür rächen wollen, dass ihr das Kind in der Küche die Haube vom Kopf gezerrt habe.

Folter sog. Strecken

 

 

 

 


Am folgenden Tag fand ein zweites Verhör statt. Wieder wurde Anna stundenlang bis zur völligen Ermüdung ausgefragt. Jetzt brachten die Richter Anna so weit, dass sie auch zugab, dem Kind die Nadeln in einem Leckerlein eingegeben zu haben. Doch auf die Frage, woher sie das Leckerlein bekommen habe, wusste sie keine Antwort. Länger als eine Stunde bestürmte man sie, bis sie anfing zu schreien und zu jammern. Aber die Richter lassen nicht nach, bis sie bekennt, sie habe das Leckerlein vom Schlosser Steinmüller erhalten. Da man sie vorsichtigerweise fragt, ob sie Steinmüller damit nicht Unrecht tue, antwortet Anna mit kaum hörbarer Stimme, sie wisse überhaupt nicht, was sie tue. Als man ihr nachher das Protokoll vorliest, zieht sie die gegen Steinmüller erhobene Beschuldigung ausdrücklich zurück. Aber nun wird sie von neuem in die Zange des Kreuzverhörs genommen. Wer habe ihr dann das Leckerlein gegeben, wenn es nicht Steinmüller gewesen sei? So fragt man sie unaufhörlich, bis Anna halb von Sinnen antwortet: Der Teufel habe es ihr gegeben!
Nun sind die Richter zufriedengestellt. Das Teufelsbündnis, uraltes Requisit aller Hexenprozesse, ist durch das eigene Geständnis der Übeltäterin erwiesen. Sogleich fragen die Herren weiter: In welcher Gestalt ihr der Teufel erschienen sei? Aber jetzt ist Anna am Ende ihrer Kräfte. „In einer leiden Gestalt“ antwortet sie noch und droht zusammenzusinken. Das Verhör muss daher abgebrochen werden.

Dass Anna die Beschuldigung Steinmüllers zurückgezogen hat, erscheint den Richtern als eine erhebliche Lücke in ihren Geständnissen. In der Darstellung der kleinen Annamaria Tschudi spielt Steinmüller eine Rolle. Anna wird daher noch einmal ins Verhör genommen und in der Tat gibt sie jetzt die Mittäterschaft Steinmüllers wieder zu. Daraufhin schreitet der Rat zur Verhaftung Steinmüllers. Der alte Mann erscheint zitternd vor den Richtern. Aber die Herren haben es bei ihm nicht so leicht, wie bei der unwissenden Magd. Steinmüller bestreitet auf das Bestimmteste, mit der Sache etwas zu tun zu haben. Er kann sogar nachweisen, dass er an jenem Tag, an dem er mit Anna und dem Kind in der Kammer gewesen sein soll, sich anderswo befunden habe. Er wird Anna gegenübergestellt und sie behauptet dem fassungslosen Mann ins Gesicht hinein seine Mittäterschaft.

Da somit Aussage gegen Aussage bestand, entschloss sich der Rat zu einem Mittel, das allein noch tauglich schien, den Widerspruch zu beseitigen, zur Folterung, wie das "an einigen Orten der Schweiz gewöhnlich ist". Die erste und mildeste Stufe der Tortur war das sogenannte "Schreck-Examen", welches darin bestand, dass der Scharfrichter dem Angeklagten die Marterwerkzeuge nur zeigte und ihm ihre Anwendung erklärte. Von diesen "Schreck-Examen" gab es drei Grade mit steigender Eindringlichkeit der scharfrichterlichen Belehrung. Diese drei Grade wurden nun gegenüber Anna angewandt. Beim ersten Examen hielt sie ihre Beschuldigung gegen Steinmüller aufrecht. Dem zweiten Examen wohnte Steinmüller neben dem Scharfrichter bei; und hier brach Anna zusammen. Dem Flehen des verzweifelten alten Mannes, sie solle doch die Wahrheit sagen, konnte sie nicht standhalten. Noch einmal nahm sie alle gegen den Schlosser erhobenen Anschuldigungen zurück und flehte diesen schluchzend um Verzeihung an. Steinmüller, selber weinend, gewährte sie.

Nun waren die Examinatoren in Bezug auf Steinmüller so weit wie zuvor. Man führte daher die Göldi ins dritte "Schreck-Examen", liess sie vom Scharfrichter höchst nachdrücklich mit der Folterzange bedrohen und drang in sie, nun endlich zu sagen, wer ihr das Leckerlein gegeben habe. Nach langem Schweigen, da sie keinen Ausweg mehr weiss, gesteht sie: „Der Teufel in eigener Person sei zu ihr in die Küche gekommen und habe ihr mit den Klauen ein Papier überreicht, in welchem gelber Wurmsamen und weisses Gift eingewickelt gewesen sei. Diese Substanzen habe sie dem Kind in einem feuchten Stück Brot zu essen gegeben. Der Teufel habe die Gestalt eines wüsten, schwarzen Tieres gehabt.

Aber auch in diesem Geständnis fanden die Richter noch einen Widerspruch. Anna sprach jetzt von einem feuchten Stück Brot, während die kleine Annamaria behauptete, ein Leckerlein erhalten zu haben. Die Angeklagte erschien somit immer noch nicht als voll geständig. Man beschloss daher, mit der eigentlichen Folterung zu beginnen. Anna wurde in die Folterkammer gebracht und dort mit gebundenen Händen aufgezogen, wobei sie „ein starkes, fürchterliches Geheul“ erhob. Doch blieb sie bei ihrer Aussage. Zwei Tage später wurde die Tortur wiederholt, jedoch wurde nun an ihre zusammengebundenen Füsse ein schwerer Stein gehängt. In dieser Lage bekannte Anna, dass sie dem Kind ein Leckerlein und nicht ein feuchtes Stück Brot gegeben habe. Auch gab sie nunmehr auf weiteres Befragen – zum drittenmal! – zu, dass Steinmüller ihr dabei behilflich gewesen sei. Diesen Aussagen blieb sie auch bei der dritten Folterung treu, wo sie „auf das Allerschärfeste gepeinigt wurde“.

Jetzt war die Aufgabe der Richter in Bezug auf Anna erfüllt. Sie hatte gestanden und ihr Geständnis auf der Folter bestätigt. Da ausserdem ihre Aussagen genau mit denen der kleinen Annamaria Tschudi übereinstimmten, konnte an der Wahrheit des Geständnisses folglich nicht mehr gezweifelt werden!

Dagegen bereitete Steinmüller dem Rat um so grössere Schwierigkeiten. Der alte Mann, der nun schon seit mehreren Wochen im Verliess sass, gab nicht ein bisschen von dem zu, was die Göldi gestanden hatte. Hartnäckig blieb er dabei, gänzlich unschuldig zu sein. Der Rat scheute sich aber, ihn der Folter zu unterwerfen. Er war ja bislang unbescholten und hatte einflussreiche Verwandte in Glarus. So blieb man bei hart gestalteten Verhören und brachte auch seine Verwandtschaft gegen ihn auf. Diese seelische Marter wurde für den alten Mann schliesslich unerträglich. Er erkannte, dass das Gericht nicht die Wahrheit erfahren sondern nur sein Geständnis haben wollte. So machte er ein phantasievolles Geständnis, das er aber nach wenigen Stunden widerrief. Nach erneuten stundenlangen Verhören "gestand" er erneut und diesmal alles, was man von ihm hören wollte. In der folgenden Nacht, der Nacht vor dem Schlussverhör, beging Steinmüller in seiner Zelle Selbstmord durch Erhängen am Fenstergitter. Auf Anordnung der Obrigkeit wurde dem Toten die rechte Hand abgeschlagen und an den Galgen genagelt. Sein Körper wurde unter dem Hochgericht verscharrt.

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