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pd. Das Anna-Göldi-Museum in Glarus/Ennenda feierte am Sonntag, 19. August 2018, sein einjähriges Bestehen. Es wurde am 19. August 2017 im Hänggiturm, Wahrzeichen der glarnerischen Textilindustrie des 19. Jahrhunderts, eröffnet. Das Museum hat das seit vielen Jahren brachliegende historische Gebäude zu neuem Leben erweckt und sich mitten im Kantonshauptort als kultureller Anziehungspunkt mit nationaler Ausstrahlung etabliert. Erfreulich ist, dass es in breiten Bevölkerungskreisen weit über unseren Kanton hinaus Anklang findet.

Die Anna-Göldi-Stiftung hat in diesen Tagen noch einen weiteren Grund zum Feiern. Vor genau zehn Jahren, im August 2008, wurde die Magd aus Sennwald durch Regierung und Landrat des Kantons Glarus rehabilitiert. Ihre Hinrichtung im Jahr 1782 verurteilten die glarnerischen Behörden als "Justizmord", als Akt staatlicher Willkür. Die Rehabilitierung ist weit mehr als ein formeller Beschluss, sondern gilt heute als vorbildhaft für den Umgang mit der eigenen Vergangenheit und als Teil einer lebendigen Erinnerungskultur, die bis in die heutige Zeit ausstrahlt.

Erfreulicherweise wurde der Anna-Göldi-Fall von der Geschichtsschreibung nie tabuisiert. Er gehört seit 200 Jahren zu den Kapiteln unserer Landesgeschichte, die stets breit diskutiert und intensiv abgehandelt wurden. Persönlichkeiten wie Bundesrat Joachim Heer, Landesarchivar Jakob Winteler oder Prof. Peter Noll setzten sich damit schon gründlich auseinander.

Dieser Tradition des offenen und vertieften Umgangs mit der Historie sieht sich die Anna-Göldi-Stiftung seit ihrer Gründung vor bald 12 Jahren verpflichtet. Bereits im Vorfeld der Rehabilitierung im Jahr 2008 gelang der Stiftung mit der Entdeckung des Stammbuches von Heinrich Ludewig Lehmann in Deutschland ihr bisher bedeutendster Quellenfund. Im Stammbuch von Lehmann haben sich fast alle Protagonisten des Göldi-Prozesses mit ihrer eigenen Handschrift verewigt. Das Stammbuch beweist zudem, dass Landschreiber Johann Melchior Kubli geheime Informationen deutschen Journalisten zugespielt hat. Das Stammbuch ist im Museum prominent ausgestellt.

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